Veröffentlichung: Dezember 2025

Warum das Gewicht im Winter entscheidend ist
Der Winter ist eine anspruchsvolle Phase für Bienenvölker. Während Imker im Sommer praktisch täglich nach ihren Bienen schauen können, sind Kontrollbesuche bei Frost und Schnee nicht nur mühsam, sondern oft auch kontraproduktiv.
Jedes Öffnen des Stocks im Winter kostet die Bienen wertvolle Energie, die sie dringend zum Überleben brauchen. Die Wintertraube, in der sich das Volk zusammenzieht, darf nicht gestört werden.
Aber genau hier liegt das Dilemma vieler Imker: Wie können Sie sicher sein, dass Ihre Völker genug Futter haben, ohne ständig nachschauen zu müssen?
Die Antwort liegt im Gewicht des Bienenstocks. Ein Bienenvolk verbraucht im Winter kontinuierlich Futter, und dieser Verbrauch lässt sich präzise über die Gewichtskontrolle nachverfolgen - ohne jemals den Stock öffnen zu müssen.
Die Gewichtskontrolle im Winter ist keine neue Erfindung, aber durch moderne Stockwaagen wird sie heute deutlich einfacher und präziser. Früher mussten Imker ihre Beuten mühsam anheben und das Gewicht per Hand schätzen. Heute ermöglichen digitale Systeme eine kontinuierliche Überwachung, die nicht nur Zeit spart, sondern vor allem Bienenvölker rettet.
Denn Winterverluste durch Futtermangel lassen sich mit der richtigen Kontrolle gut vermeiden.
Das richtige Startgewicht im Herbst bestimmt den Wintererfolg
Die Vorbereitung auf den Winter beginnt nicht im Dezember, sondern bereits im Herbst. Das Startgewicht, das Ihr Bienenvolk im Oktober oder November auf die Waage bringt, entscheidet maßgeblich darüber, ob es den Winter gut übersteht.
Wichtig: Die in diesem Artikel genannten Gewichtswerte sind ausdrücklich als Orientierung zu verstehen, nicht als absolute Richtwerte. Jede Imkerei hat ihre eigenen Besonderheiten, die das Stockgewicht erheblich beeinflussen.
Orientierungswerte nach Beutentyp (Beispiele!)
| Beutentyp | Beispiel optimal | Beispiel Mindest | Futteranteil |
|---|---|---|---|
| Dadant/Zander | 40-45 kg | 35-40 kg | 15-18 kg |
| Deutsch-Normal | 35-40 kg | 30-35 kg | 12-15 kg |
Diese Werte sind Durchschnittswerte und können bei Ihrer Imkerei deutlich abweichen! Die tatsächlichen Gewichte hängen von zahlreichen Faktoren ab, die wir gleich im Detail besprechen.

Warum Absolutwerte in die Irre führen können
Das Problem mit festen Gewichtsangaben: Sie suggerieren eine Präzision, die in der Praxis nicht existiert. Zwei Dadant-Beuten können bei identischer Futtermenge locker 5 bis 10 Kilogramm Gewichtsunterschied aufweisen - und beide Völker sind dennoch bestens versorgt.
Der Grund liegt in den vielen variablen Faktoren, die das Gesamtgewicht beeinflussen. Das Beutenmaterial macht einen erheblichen Unterschied: Eine massiv gebaute Holzbeute aus Hartholz wiegt mehrere Kilogramm mehr als eine leichte Styroporbeute. Die Anzahl der Rähmchen im Brutraum variiert je nach Betriebsweise erheblich - bei Dadant können im Winter zwischen 6 und 12 Rähmchen hängen, und jedes ausgebaute Rähmchen wiegt leer bereits etwa 500 Gramm. Allein dieser Faktor kann einen Unterschied von 3 bis 6 Kilogramm ausmachen.
Dazu kommen weitere Einflüsse: Manche Imker legen Steine auf den Beutendeckel, damit dieser bei Sturm nicht wegfliegt - das sind schnell 2 bis 5 Kilogramm zusätzliches Gewicht. Auch die Volksstärke spielt eine Rolle: Ein starkes Volk mit vielen Bienen wiegt mehr als ein schwächeres. Die geografische Lage beeinflusst ebenfalls das notwendige Futtervolumen - in kalten Regionen brauchen Völker mehr Reserven als in milderen Gebieten.
Deshalb ist es absolut entscheidend, dass Sie im ersten Jahr mit Gewichtskontrolle Ihre eigenen Referenzwerte ermitteln. Notieren Sie das Startgewicht im Herbst, wenn Sie sicher sind, dass Ihre Völker ausreichend versorgt sind. Beobachten Sie den Gewichtsverlauf über den Winter. Und merken Sie sich diese Werte für Ihre spezifische Betriebsweise, Ihre Beuten und Ihren Standort. Diese individuellen Referenzwerte sind deutlich aussagekräftiger als allgemeine Tabellen.
So ermitteln Sie Ihr individuelles Leergewicht - die Basis für alles Weitere
Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Gewichtskontrolle liegt darin, das Leergewicht Ihrer Beute zu kennen. Mit diesem Wert können Sie jederzeit präzise berechnen, wie viel Futter noch vorhanden ist - unabhängig von allen anderen Faktoren.
Die beste Zeit für diese Ermittlung ist die Durchsicht im Herbst nach der Einfütterung, typischerweise Mitte bis Ende September. Zu diesem Zeitpunkt sollten sich die Rahmenbedingungen nicht mehr ändern: Die Wabenzahl ist festgelegt, zusätzliche Zargen sind entfernt oder aufgesetzt, Absperrgitter und andere Komponenten sind in ihrer finalen Winterposition.
Die Methode ist einfach:
- Wiegen Sie die komplette Beute (z.B. 45 kg)
- Schätzen Sie bei der Durchsicht die Futtermenge ab (z.B. 18 kg)
- Berechnen Sie: Leergewicht = Gesamtgewicht - Futtermenge = 27 kg
Dieses Leergewicht von 27 kg ist nun Ihre persönliche Referenz für genau diese Beute. Es beinhaltet alles: Holz, Rähmchen, Wachs, Propolis, Bienen, Pollen, eventuelle Beschwersteine - einfach alles außer dem Winterfutter.
Warum ist dieser Wert so wichtig? Weil Sie ab jetzt jederzeit wissen, wie viel Futter noch da ist. Zeigt die Waage im Januar 35 kg an, haben Sie noch 8 kg Futter (35 - 27 = 8). Sinkt das Gewicht auf 30 kg, sind nur noch 3 kg Futter vorhanden - Zeit zu handeln.
Moderne digitale Stockwaagen-Systeme wie Honeylink können diesen Wert als Tara speichern oder Sie richten einen Warnwert knapp oberhalb des Leergewichts ein (z.B. bei 30 kg für eine Warnung bei nur noch 3 kg Restfutter). So bekommen Sie automatisch eine Benachrichtigung, lange bevor das Futter kritisch wird.
So viel Futter verbrauchen Ihre Bienen im Winter
Der Futterverbrauch eines Bienenvolks im Winter ist nicht konstant, sondern schwankt erheblich je nach Monat und Witterungsbedingungen. Diese Schwankungen zu verstehen, ist entscheidend für eine erfolgreiche Futterkontrolle.
Futterverbrauch im Überblick
| Monat | Verbrauch pro Monat (mild) | Verbrauch pro Monat (kalt) | Verbrauch pro Woche |
|---|---|---|---|
| Nov/Dez | 0,5-1 kg | 1-1,5 kg | ca. 0,15-0,35 kg |
| Jan/Feb | 1,5-2 kg | 2-3 kg | ca. 0,4-0,7 kg |
Einfache Faustregel: Nicht brütende Völker verbrauchen etwa 1 kg pro Monat, brütende Völker etwa 3 kg pro Monat - wobei letzteres stark vom Umfang der Bruttätigkeit abhängt.
November/Dezember: Der Verbrauch ist noch vergleichsweise gering. Bei milder Witterung verbraucht ein durchschnittliches Volk etwa 0,5 bis 1 Kilogramm pro Monat - das entspricht nur etwa 150 bis 250 Gramm pro Woche.
Januar/Februar - die kritische Phase: Die Temperaturen fallen oft auf Tiefstände, und gleichzeitig beginnt bei vielen Völkern bereits die erste Bruttätigkeit. Der Energiebedarf steigt auf 1,5 bis 3 Kilogramm pro Monat (ca. 400 bis 700 Gramm pro Woche). Genau in dieser Phase verhungern die meisten Völker, weil Imker den steigenden Verbrauch unterschätzen.
Wann wird es kritisch? Diese Schwellenwerte müssen Sie kennen
Die entscheidende Frage ist nicht nur, wie viel Ihre Bienen verbrauchen, sondern wann Sie eingreifen müssen. Statt mit festen Absolutwerten zu arbeiten, sollten Sie sich an relativen Schwellen orientieren, die auf Ihrem individuellen Basisgewicht aufbauen.
Kritische Schwellenwerte - individuell ermitteln!
Der richtige Weg: Ermitteln Sie zuerst Ihr individuelles Basisgewicht - also das Gewicht einer gut versorgten Beute im Herbst für Ihre spezifische Betriebsweise. Von diesem Wert aus rechnen Sie dann die kritischen Schwellen.
Beispiel für eine typische Dadant-Beute mit Basisgewicht 42 kg:
- Frühwarnung: Basisgewicht minus 7-10 kg = ca. 32-35 kg
- Kritisch: Basisgewicht minus 12-15 kg = ca. 27-30 kg
Beispiel für eine Deutsch-Normal-Beute mit Basisgewicht 36 kg:
- Frühwarnung: Basisgewicht minus 6-9 kg = ca. 27-30 kg
- Kritisch: Basisgewicht minus 11-13 kg = ca. 23-25 kg
Warum relativ statt absolut?
Wenn Sie mit absoluten Werten arbeiten (z.B. "kritisch unter 30 kg"), kann das gefährlich sein. Stellen Sie sich vor, Ihre Dadant-Beute hat durch schwere Holzkonstruktion, 12 Rähmchen im Brutraum und einen Beschwerungsstein ein Basisgewicht von 48 kg statt der "typischen" 42 kg. Dann wäre ein Gewicht von 32 kg - laut Tabelle noch im "Frühwarnbereich" - in Wahrheit bereits kritisch, denn Sie hätten schon 16 kg Futter verbraucht!
Umgekehrt gilt: Eine leichte Styropor-Beute mit nur 8 Rähmchen hat vielleicht ein Basisgewicht von 38 kg. Bei 32 kg wäre hier noch alles im grünen Bereich.
Die Faustregel lautet daher:
- Frühwarnung: Wenn Sie 7-10 kg vom Startgewicht verloren haben (bei Dadant/Zander) bzw. 6-9 kg (bei Deutsch-Normal)
- Kritisch: Wenn Sie 12-15 kg vom Startgewicht verloren haben (bei Dadant/Zander) bzw. 11-13 kg (bei Deutsch-Normal)
Bei Erreichen der Frühwarnschwelle sollten Sie in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Notfütterung vorbereiten. Besorgen Sie Futterteig oder Fondant, und planen Sie einen milden Tag für die Fütterung ein. Im kritischen Bereich sollten Sie innerhalb weniger Tage Notfutter geben.
Die Gewichtskurve verstehen: Was ist normal, was ist Warnsignal?
Eine Stockwaage liefert Ihnen nicht nur einzelne Gewichtswerte, sondern vor allem einen Gewichtsverlauf über die Zeit. Diese Kurve zu interpretieren, ist eine Kunst für sich, aber eine, die Sie schnell lernen werden. Eine gesunde Winterkurve zeigt einen langsamen, kontinuierlichen Gewichtsverlust von November bis März. Sie beginnt im November bei Ihrem individuellen Startgewicht (je nach Betriebsweise typischerweise zwischen 35 und 50 Kilogramm), fällt dann sanft und gleichmäßig ab. Die Kurve ist nicht linear, sondern zeigt im Verlauf eine leichte Beschleunigung, besonders ab Februar, wenn die Bruttätigkeit einsetzt.
Was Sie bei einer gesunden Kurve nicht sehen sollten, sind plötzliche Einbrüche oder unerklärliche Sprünge. Der Gewichtsverlust sollte gleichmäßig sein, Tag für Tag ein kleines bisschen weniger. Genau diese Gleichmäßigkeit ist das Zeichen, dass mit Ihrem Volk alles in Ordnung ist. Die Bienen sitzen ruhig in der Traube, verbrauchen ihr Futter planmäßig, und es gibt keine Störungen.

Gewichtsverlauf Oktober-November aus der Honeylink App.
Deutlich sichtbar: Entfernung einer leeren Zarge Anfang November, der gleichmäßige Futterverbrauch und kurzzeitige Schneelast Ende November.
Drei Warnsignale, die Sie sofort erkennen sollten
Erstes Warnsignal - zu schneller Gewichtsverlust: Wenn Ihr Volk deutlich mehr verliert als in der Tabelle oben angegeben - also im Dezember mehr als 400 Gramm pro Woche oder im Januar/Februar mehr als 800 Gramm pro Woche - stimmt etwas nicht. Die Ursachen können vielfältig sein. Vielleicht ist Ihr Volk zu stark und verbraucht entsprechend mehr Futter. Möglicherweise herrscht Unruhe im Volk, verursacht durch Krankheiten oder Weisellosigkeit. Oder Ihre Beute ist schlecht isoliert, sodass die Bienen mehr Energie aufwenden müssen, um die Temperatur zu halten.
Zweites Warnsignal - Plateauphasen: Wenn das Gewicht über mehrere Wochen stabil bleibt oder sogar leicht steigt, ist das zunächst verwirrend. In vielen Fällen ist das positiv und bedeutet lediglich, dass die Witterung mild ist und die Bienen noch Pollen oder Wasser sammeln. Aber Vorsicht: Es könnte auch ein Messfehler vorliegen, etwa durch Schnee auf der Beute. Prüfen Sie in solchen Fällen, ob die Waage durch äußere Einflüsse verfälscht wird.
Drittes Warnsignal - plötzliche Einbrüche: Wenn Ihr Volk innerhalb weniger Tage mehr als zwei bis drei Kilogramm verliert, ist das ungewöhnlich. Mögliche Ursachen: Das Volk könnte stark geschwächt sein oder es liegt ein anderes Problem vor. In diesem Fall sollten Sie bei der nächsten milden Wetterperiode einen vorsichtigen Kontrollbesuch einplanen. Öffnen Sie den Stock nur kurz und schauen Sie nach, ob noch Leben vorhanden ist.
Notfütterung im Winter: Welches Futter und wie viel?
Wenn Ihre Gewichtskontrolle ergibt, dass Ihr Volk zu leicht wird, müssen Sie handeln. Aber nicht jedes Futter ist im Winter geeignet, und der Zeitpunkt sowie die Art der Fütterung entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Im Winter gibt es grundsätzlich drei Optionen für die Notfütterung, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile haben.
Die schonendste und sicherste Methode ist Futterteig. Futterteig hat den großen Vorteil, dass er keine Flüssigkeit enthält und daher auch keine Kondensation im Stock verursacht. Sie können ihn problemlos auch bei Frost geben, und die Bienen nehmen ihn nach Bedarf auf, ohne dass Stress entsteht. Legen Sie ein bis zwei Kilogramm Futterteig direkt über die Wabengassen, sodass die Bienen leicht darankommen. Kontrollieren Sie alle zwei bis drei Wochen, ob noch genug vorhanden ist, und geben Sie bei Bedarf nach. Futterteig ist die Winterfütterung der Wahl für erfahrene Imker.
Die zweite Option ist Fondant, der ebenfalls gut funktioniert und einfach zu handhaben ist. Fondant ist gut lagerfähig und kann in praktischen 2,5-Kilogramm-Paketen direkt auf die Rähmchenoberträger gelegt werden. Der Nachteil ist, dass Fondant bei sehr kalten Temperaturen hart werden kann, sodass die Bienen Schwierigkeiten haben, ihn aufzunehmen. Trotzdem ist Fondant eine bewährte Alternative zum Futterteig und wird von vielen Imkern bevorzugt.
Die dritte Option, Flüssigfutter, ist im Winter grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Flüssigfutter sollten Sie nur dann geben, wenn die Temperaturen für mehrere Tage über zehn Grad Celsius liegen und keine Frostgefahr in den nächsten Tagen besteht. Der Grund ist einfach: Feuchtigkeit im Stock kann bei erneutem Frost zur Todesfalle werden. Die Bienen können die Feuchtigkeit nicht abtrocknen, es bildet sich Kondenswasser, und die Wintertraube gerät in Gefahr. Flüssigfutter gehört in die Sommerfütterung, nicht in den Winter.
Praktische Tipps: So kontrollieren Sie das Gewicht richtig
Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Wie oft sollten Sie wiegen? Welche Fehlerquellen gibt es? Und was machen Sie, wenn Sie keine digitale Stockwaage haben? Diese Fragen stellen sich viele Imker, und die Antworten sind einfacher als gedacht.
Der wichtigste Tipp ist die Regelmäßigkeit. In den frühen Wintermonaten November und Dezember reicht es, wenn Sie alle zwei Wochen einen Blick auf das Gewicht werfen. Der Futterverbrauch ist in dieser Phase noch gering, und große Überraschungen sind selten. Ab Januar sollten Sie jedoch auf wöchentliche Kontrollen umstellen. Jetzt wird die Lage kritischer, und Sie wollen rechtzeitig eingreifen können.
Mit einer digitalen Stockwaage erledigt sich diese Arbeit von selbst - Sie sehen die Trends in Echtzeit auf Ihrem Smartphone. Ohne Stockwaage müssen Sie manuell ran: Beute vorsichtig anheben, mit einer Federwaage oder notfalls einer Personenwaage wiegen, und das Ergebnis notieren.
Ein Punkt, den viele Imker unterschätzen, sind Wettereinflüsse auf die Gewichtsmessung. Schnee auf der Beute kann erhebliches Zusatzgewicht bedeuten. Schon fünf bis zehn Zentimeter Schnee bringen zwei bis fünf Kilogramm auf die Waage, die nichts mit dem tatsächlichen Zustand Ihres Volkes zu tun haben. Nach Schneefall sollten Sie Gewichtswerte daher vorsichtig interpretieren oder die Beute von Schnee befreien. Noch tückischer ist die Schneeschmelze: Sie führt zu einem scheinbaren Gewichtsverlust, obwohl mit Ihrem Volk alles in Ordnung ist. Auch Regen kann die Messung verfälschen, besonders bei Holzbeuten, die Feuchtigkeit aufnehmen und dadurch schwerer werden.
Wenn Sie ohne digitale Stockwaage arbeiten, ist eine einfache Tabelle sehr hilfreich. Notieren Sie bei jeder Messung das Datum, das Gewicht, die Differenz zur letzten Messung, die Wetterbedingungen und Ihre daraus folgende Aktion. So sehen Sie auf einen Blick, ob sich Ihr Volk im normalen Bereich bewegt oder ob Handlungsbedarf besteht. Eine solche Tabelle hilft Ihnen auch dabei, über die Jahre Erfahrung aufzubauen und Ihre eigenen Völker besser kennenzulernen.
Wie digitale Stockwaagen die Winterkontrolle erleichtern
Eine digitale Stockwaage verändert die Art und Weise, wie Sie Ihre Völker durch den Winter bringen, grundlegend. Statt alle ein bis zwei Wochen bei Wind und Wetter zum Bienenstand zu fahren und manuell zu wiegen, haben Sie den Gewichtsverlauf Ihrer Völker jederzeit auf dem Smartphone. Diese kontinuierliche Überwachung ist nicht nur bequemer, sondern vor allem sicherer für Ihre Bienen. Sie erkennen Probleme früher, können präziser füttern, und Sie müssen die Beute niemals öffnen, um nach dem Futter zu schauen.
Tara-Funktion: Das Leergewicht als Referenz nutzen
Die wohl wichtigste Funktion moderner Stockwaagen-Systeme ist die Möglichkeit, das Leergewicht Ihrer Beute als Tara zu hinterlegen. Haben Sie im Herbst wie oben beschrieben das Leergewicht ermittelt (z.B. 27 kg), können Sie diesen Wert im System speichern. Ab diesem Moment zeigt Ihnen die Waage nicht mehr das Gesamtgewicht an, sondern direkt die verfügbare Futtermenge.
Praktisches Beispiel: Ihre Beute wiegt gesamt 45 kg, das Leergewicht beträgt 27 kg. Nach Aktivierung der Tara-Funktion zeigt das System Ihnen 18 kg an - also genau die Futtermenge. Im Januar sinkt die Anzeige auf 12 kg, im Februar auf 8 kg. Sie sehen auf einen Blick, wie viel Futter noch da ist, ohne rechnen zu müssen.
Dieser Ansatz hat einen entscheidenden Vorteil: Er eliminiert alle Unsicherheiten bezüglich Beutengewicht, Material, Rähmchenanzahl oder Beschwersteinen. All diese Faktoren sind im Leergewicht bereits berücksichtigt. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf das Wesentliche: Wie viel Futter hat mein Volk noch?
Intelligente Warnwerte statt Pauschalwerte
Moderne Systeme wie Honeylink ermöglichen es Ihnen, individuelle Warnwerte zu definieren. Statt mit pauschalen Schwellenwerten wie "kritisch unter 30 kg" zu arbeiten, richten Sie Ihre Alarme basierend auf der tatsächlichen Futterreserve ein.
Empfohlene Warnwerte bei aktivierter Tara-Funktion:
- Frühwarnung: Bei 6-8 kg verbleibendem Futter - Sie haben noch Zeit, in Ruhe zu reagieren
- Kritische Warnung: Bei 3-5 kg verbleibendem Futter - jetzt sollten Sie zeitnah füttern
Alternativ, wenn Sie die Tara nicht nutzen und mit Absolutgewichten arbeiten, können Sie einen Warnwert knapp oberhalb Ihres Leergewichts setzen. Bei einem Leergewicht von 27 kg würden Sie beispielsweise bei 30 kg (entspricht 3 kg Restfutter) oder 32 kg (entspricht 5 kg Restfutter) eine Warnung erhalten.
Intelligente Alarme und Verbrauchsmuster
Der größte Vorteil moderner Stockwaagen-Systeme liegt in der intelligenten Alarmfunktion. Das System lernt das normale Verbrauchsmuster Ihres Volkes und benachrichtigt Sie automatisch, wenn der Gewichtsverlust ungewöhnlich schnell ist, plötzliche Veränderungen auftreten oder Ihre definierten Schwellenwerte unterschritten werden. Sie müssen nicht mehr täglich die App öffnen und Kurven interpretieren - das System meldet sich, wenn Handlungsbedarf besteht. Das gibt Ihnen Sicherheit und spart gleichzeitig enorm viel Zeit.
Besonders wertvoll ist der Remote-Zugriff für Imker mit mehreren Standorten oder weit entfernten Völkern. Sie kontrollieren Ihre Bienen vom Sofa aus, fahren nur noch zum Bienenstand, wenn es wirklich nötig ist, und überwachen mehrere Völker parallel, ohne jemals vor Ort sein zu müssen. Gerade im Winter, wenn Fahrten durch Schnee und Eis mühsam sind, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Mehr Informationen zu modernen Stockwaagen-Systemen finden Sie auf www.honeylink.io.
Die häufigsten Fehler bei der Winterfütterung
Selbst erfahrene Imker machen immer wieder dieselben Fehler, wenn es um die Winterfütterung geht. Diese Fehler können im schlimmsten Fall zum Verlust ganzer Völker führen, sind aber alle vermeidbar, wenn Sie die Zusammenhänge verstehen.
Der häufigste und folgenschwerste Fehler ist es, zu spät zu reagieren. Viele Imker warten, bis das Volk akut verhungert, bevor sie eingreifen. Dann ist es oft zu spät. Die Bienen sind geschwächt, die Königin möglicherweise tot, und selbst wenn Sie jetzt noch füttern, erholt sich das Volk nicht mehr. Die Lösung ist einfach: Reagieren Sie bereits, wenn die Frühwarnschwelle erreicht ist. Bereiten Sie Futter vor, sobald Ihr Volk 7 bis 10 Kilogramm vom Startgewicht verloren hat, nicht erst, wenn es 12 bis 15 Kilogramm verloren hat. Diese wenigen Tage Vorsprung geben Ihnen mehr Handlungsspielraum.
Der zweite häufige Fehler ist das Öffnen des Stocks im Winter. "Ich schaue mal kurz nach", denken sich viele Imker. Jede Stocköffnung im Winter kostet die Bienen wertvolle Energie, die sie dringend zum Überleben brauchen. Die Wintertraube wird gestört, kalte Luft dringt ein, und die Bienen müssen wieder aufheizen. Die Gewichtskontrolle liefert Ihnen alle Informationen, die Sie brauchen. Öffnen Sie den Stock nur, wenn Sie begründeten Verdacht auf Totenfall oder Krankheit haben, niemals zur bloßen Futterkontrolle.
Der dritte Fehler ist die Gabe des falschen Futters zur falschen Zeit. Immer wieder geben Imker Flüssigfutter bei Frost, weil sie es nicht besser wissen oder weil sie gerade kein anderes Futter zur Hand haben. Das kann problematisch werden: Die Feuchtigkeit kondensiert im Stock, bei erneutem Frost gefriert sie, und die Wintertraube wird in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Im Winter gilt die eiserne Regel: nur Futterteig oder Fondant, niemals Flüssigfutter.
Der vierte Fehler betrifft die Interpretation der Messwerte. Viele Imker ignorieren den Einfluss von Schneelast auf die Gewichtsmessung. Schnee auf der Beute kann mehrere Kilogramm Zusatzgewicht bedeuten, und wer das nicht berücksichtigt, zieht falsche Schlüsse. Nach Schneefall sollten Sie die Beute freikehren oder zumindest die Gewichtswerte mit Vorsicht interpretieren. Eine plötzliche Gewichtszunahme im Dezember bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, dass Ihre Bienen fleißig sammeln, sondern dass Schnee auf dem Dach liegt.
Checkliste: Winterfütterung kontrollieren
Vorbereitung im Herbst:
- Leergewicht jeder Beute im Herbst ermittelt (Gesamtgewicht minus geschätzte Futtermenge)
- Leergewicht notiert oder als Tara in der Stockwaage hinterlegt
- Individuelles Startgewicht im Oktober/November für jede Beute festgestellt
- Warnwerte eingerichtet:
- Bei Tara-Nutzung: Warnung bei 6-8 kg Restfutter (Frühwarnung) und 3-5 kg (kritisch)
- Ohne Tara: Warnung bei Leergewicht + 5-8 kg (Frühwarnung) und Leergewicht + 3 kg (kritisch)
- Alternative: Frühwarnschwelle berechnet (Startgewicht minus 7-10 kg bei Dadant/Zander, minus 6-9 kg bei DN)
- Alternative: Kritische Schwelle berechnet (Startgewicht minus 12-15 kg bei Dadant/Zander, minus 11-13 kg bei DN)
Winter (November bis Februar):
- Regelmäßiger Kontrollrhythmus etabliert (alle 2 Wochen Nov/Dez, wöchentlich ab Januar)
- Futterteig/Fondant vorrätig (bei 1-3 Völkern: 5 kg pro Volk, bei größeren Imkereien: 10-20 kg Notvorrat)
- Gewichtstabelle geführt oder Stockwaage installiert
- Wettereinflüsse (Schnee, Regen) bei Interpretation berücksichtigt
- Bei kritischen Werten: Notfütterung vorbereitet
Fazit: Mit Gewichtskontrolle sicher durch den Winter
Winterverluste sind die größte Sorge vieler Imker, und das aus gutem Grund. Jedes Jahr verhungern tausende Bienenvölker, obwohl sie mit einfachen Mitteln hätten gerettet werden können. Die gute Nachricht: Die meisten Verluste durch Verhungern sind vermeidbar, wenn Sie das Gewicht konsequent im Blick behalten und die hier beschriebenen Richtwerte befolgen.
Drei Punkte sollten Sie sich als Imker einprägen:
Erstens zählt das individuelle Startgewicht: Ermitteln Sie für jede Ihrer Beuten das Startgewicht im gut versorgten Zustand und nutzen Sie diesen Wert als Ihre persönliche Referenz. Die oft genannten Richtwerte (40 kg bei Dadant, 35 kg bei DN) sind nur Orientierung - Ihre eigenen Werte können davon erheblich abweichen und sind trotzdem richtig.
Zweitens müssen Sie die relativen kritischen Werte kennen: Wenn Ihr Volk 12 bis 15 Kilogramm vom Startgewicht verloren hat (bei Dadant/Zander) beziehungsweise 11 bis 13 Kilogramm (bei DN), bedeutet das sofortiger Handlungsbedarf. Warten Sie nicht noch ein paar Tage, sondern geben Sie umgehend Notfutter.
Drittens ist die Regelmäßigkeit entscheidend: Ab Januar sollten Sie wöchentlich wiegen. Nur so erkennen Sie Probleme rechtzeitig, bevor es zu spät ist.
Diese Grundregeln, kombiniert mit einer digitalen Stockwaage oder zumindest einer handgeführten Gewichtstabelle, bringen Ihre Völker sicher durch den Winter. Die Investition in Wissen und gegebenenfalls eine Stockwaage zahlt sich vielfach aus, denn ein Völkerverlust durch Futtermangel ist mit etwas Aufmerksamkeit gut vermeidbar.
Ausblick: Die Aufmerksamkeit sollte im Februar nicht nachlassen. Im Frühjahr gibt es ein oft unterschätztes Risiko, das wir in Teil 2 ausführlich behandeln: Wenn kaltnasse Tage den Nektarstrom stoppen und gerade starke Völker mit hohem Futterverbrauch betroffen sein können.
Haben Sie Fragen zur Winterfütterung oder Erfahrungen, die Sie teilen möchten? Schreiben Sie uns: info@honeylink.io
Weiterführende Artikel:
- FAQs zu Stockwaagen
- Teil 2: Das unterschätzte Frühjahrsrisiko (erscheint Februar 2026)
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